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Kampmann_Renate
Foto: Presse- und Bildarchiv
Rowohlt Verlag

Renate Kampmann



Frage: Warum Krimis?

R. Kampmann: Verbrecher sind Grenzgänger, also per se faszinierend. Und der Kriminalroman bietet die Möglichkeit, gleichzeitig spannend zu unterhalten und Geschichten über Menschen zu erzählen, wie es jeder Romanautor tut.

Frage: Was bedeutet deutscher Krimi für Sie?

R. Kampmann: Solange eine Autorin/ein Autor mich nicht langweilt oder ärgert, ist mir die Nationalität gleichgültig.

Frage: Wer ist überschätzt?

R. Kampmann: Hochgejazztes Mittelmaß.

Frage: Wer ist unterschätzt?

R. Kampmann: Nicht zur Kenntnis genommene Qualität.

Frage: Krimi – eine Literaturgattung?

R. Kampmann: Ja, eine in Deutschland bisher unterschätzte. Dabei haben sich einige der größten der Zunft daran versucht. Charles Dickens mit "Das Geheimnis des Edwin Drood", um nur ein berühmtes Beispiel zu nennen.

Frage: Wie sind Sie zum Krimi gekommen?

R. Kampmann: Der Krimi ist quasi zu mir gekommen, in Gestalt der TV-Serie "Doppelter Einsatz", für die ich zunächst notgedrungen, weil mich Autoren im Stich gelassen hatten, anfing zu schreiben. Aber natürlich war ich seit jeher ein heavy user von Spannungsliteratur und verschlang die Romane von Arthur Conan Doyle und Dorothy L. Sayers, als andere Kinder meines Alters noch Karl May und Hanni und Nanni-Bücher lasen.

Frage: Ihre Lieblingstatwaffe?

R. Kampmann: Der Verstand. Und was das ausführende Mittel anbelangt, schätze ich die Vielfalt.

Frage: Mord – muss das sein?

R. Kampmann: Das größte Tabu jeder menschlichen Gemeinschaft ist nun mal die Zerstörung von Leben und deswegen besonders fesselnd und rätselhaft. Aber natürlich kann man aufregende Geschichten über Menschen ohne Mord und Totschlag erzählen.

Frage: Warum schreiben Sie?

R. Kampmann: Weil ich es kann.

Frage: Bilden Sie in Ihren Kriminalromanen die Gegenwart ab?

R. Kampmann: Sicher, bis zu einem gewissen Grade. Es gibt wohl kaum etwas Realitätsmächtigeres als ein Verbrechen. Und es gibt Taten, die nur unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen denkbar sind. Aber Menschen handeln nicht immer logisch, und manche Verbrechen sind sozusagen zeitlos.

Frage: Wo würden Sie Ihr "Setting" wählen?

R. Kampmann: Das hängt vom jeweiligen Thema ab. Jede Geschichte hat ihren eigenen Ort.

Frage: Welche Bedeutung hat für Sie Essen und Trinken?

R. Kampmann: Genuß und Lebensnotwendigkeit – in der Reihenfolge.

Frage: Sex im Krimi?

R. Kampmann: Kann sein, muß aber nicht.

Frage: Wenn ja, warum?

R. Kampmann: Wenn's der Wahrheitsfindung dient...

Frage: Wenn nein, warum?

R. Kampmann:– – –

Frage: Gibt es einen "Frauenkrimi"?

R. Kampmann: Es gibt einige gute und viele schlechte Krimis, und an beiden sind Frauen wie Männer beteiligt. Natürlich bleibt die Tatsache, daß Frauen und Männer nach wie vor unterschiedlich sozialisiert werden und mit ihren Gehirnhälften unterschiedlich umgehen. Es ist also nicht auszuschließen, daß sich das auf den Blick auswirkt.

Frage: Für wen schreiben Sie?

R. Kampmann: Am liebsten für ein Millionenpublikum.

Frage: Plotentwicklung – Ihr erster Gedanke?

R. Kampmann: Was ist das Problem, und wer hat es?

Frage: Machen Sie sich Notizen und wo kommen Ihre Ideen her?

R. Kampmann: Die Ideen lauern überall. Und wenn meine Ordner mit Zeitungsausschnitten, Buchexzerpten und Notizen noch zahlreicher werden, muß ich umziehen.

Frage: Wo schreiben Sie?

R. Kampmann: An meinem Schreibtisch. Und nur da und bei völliger Ruhe.

Frage: Hindert der PC Sie am Schreiben?

R. Kampmann: Na, das soll er mal versuchen! Im Ernst: Die Phase, in der sich meine Gedanken nur bei handschriftlichem Arbeiten verfertigten, habe ich schon vor Jahren mit der Umstellung von Bleistift auf Schreibmaschine abgeschlossen. Die Weiterentwicklung zum PC war dann kein Problem mehr.

Frage: Ihr Lieblingsbuch als Kind?

R. Kampmann: Die Märchen von Hans Christian Andersen.

Frage: Ihr Lieblingsbuch heute?

R. Kampmann: Immer das, was ich gerade lese. Das sind zur Zeit "Milch und Kohle" von Ralf Rothmann und die sämtlichen Erzählungen von Katherine Mansfield. Und auch gern mal wieder ein Märchen von Andersen zwischendurch.

Frage: Ihre Lieblings-Krimiautorin / Ihr Lieblings-Krimiautor?

R. Kampmann: Ruth Rendell / James Ellroy

Frage: Ihr Lieblingsfilm?

R. Kampmann: Billy Wilders "Manche mögen's heiß". Und weil ich mich nicht entscheiden kann, auch noch Ernst Lubitschs "Sein oder nicht sein" und Marcel Carnés "Die Kinder des Olymp".

Frage: Ihr Lieblingsgetränk?

R. Kampmann: Französischer Champagner und deutscher Riesling

Frage: Kochen Sie?

R. Kampmann: Ich esse, also koche ich.

Frage: Ihr Lieblingsgericht

R. Kampmann: Sauerbraten
– Rezept am Schluß des Fragebogens –

Frage: Gehen Sie essen, und wenn ja, wo?

R. Kampmann: Gerne französisch, italienisch, vietnamesisch oder thai und von Zeit zu Zeit habe ich auch mal Appetit auf die norddeutsche Bratkartoffel-Küche.

Frage: Was ist Ihr Lieblingskleidungsstück?

R. Kampmann: Eine ca. 30 Jahre alte karierte Bluse, weil sie so eine gute Bekannte ist.

Frage: Fußball – ist das ein Thema für Sie?

R. Kampmann: Nein.

Frage: Frauen/Männer – ist das wichtig für Sie?

R. Kampmann: Das Thema ist wahrscheinlich für jede/n einigermaßen wichtig. Außer vielleicht für Amöben.

Frage: Ihre Lieblingsstadt in Deutschland?
R. Kampmann: Hamburg.

Frage: Ihr Lieblingsland?

R. Kampmann: Keine Ahnung. Ich war noch nicht überall. China hätte gute Aussichten auf einen der vorderen Plätze.

Frage: Was lieben Sie?

R. Kampmann: Einsamkeit und Zweisamkeit im Wechsel.

Frage: Was verabscheuen Sie?

R. Kampmann: Dummheit.

Frage: Beste Schulnote – worin?

R. Kampmann: Englisch, Deutsch und Mathe.

Frage: Schlechteste Schulnote – worin & warum?

R. Kampmann: Religion – Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Frage: Ihr Traumberuf?

R. Kampmann: Die Traummann, Traumberuf, Traumirgendwas-Phase liegt schon ein paar Tage zurück. Mein Dasein als Geschichtenerzählerin gefällt mir im übrigen ganz gut.

Frage: Haben Sie eine Ahnung, warum Sie diesen Fragebogen beantwortet haben?

R. Kampmann: Ich wurde gefragt. Und mal ehrlich: Tut doch jeder gern.


Sauerbraten à la Wolfram Siebeck

(4 Personen)
1 kg Rindfleisch von der Oberschale
1 kg Karotten
1 Stange Lauch
3 große Zwiebeln
1 große Tomate
1 eigroßes Stück Sellerie
100 g Butter
Nelken, Senfkörner, Wacholderbeeren, 2 Lorbeerblätter schwarze und graue Pfeffer- und Pimentkörner
roter Weinessig

Das Fleisch wird mindestens vier Tage in eine Marinade eingelegt. Dazu müssen Wasser und Rotweinessig im Verhältnis 3 : 1 gemischt und zum Kochen gebracht werden. Heiß über das Fleisch gießen, es muß ganz bedeckt sein. Mit aufgekocht werden je 1 Teelöffel zerdrückte Wacholderbeeren, Senfkörner und Pfeffermischung, die Lorbeerblätter und 12 Nelken. Das Fleisch täglich wenden.
Zum Braten abtropfen lassen und gut abtrocknen. In der Butter von allen Seiten vorsichtig anbraten, dann sämtliche kleingewürfelten Gemüse (Karotten in dünne Scheiben schneiden) dazu, kräftig salzen und die Marinade angießen. Eventuell noch ein wenig Fleischbrühe oder Rotwein dazugeben, vielleicht auch noch ein paar Wacholderbeeren und Nelken. Das hängt von Geschmack und Stimmung ab. Die Nelken sollen in jedem Fall später deutlich herausschmecken. Dann den Topf in den auf 175 Grad vorgeheizten Backofen schieben. Sofern man ein gut abgehangenes Fleischstück gekauft hat, ist das Fleisch nach 2 ½ Stunden butterzart. Man nimmt es heraus und stellt es warm. Die Schmorflüssigkeit und das Gemüse wird jetzt in ein großes Sieb gegossen, und mit Hilfe einer Suppenkelle wird so viel Gemüse wie möglich mit hindurchgepreßt. Nun hat man etwa einen Liter Flüssigkeit, die sprudelnd eingekocht und auf etwa ein Drittel reduziert werden muß. Das dauert mindestens 15 Minuten. Zu der dann sämigen Sauce kommt 1/8 Liter süsse und etwa ebensoviel saure Sahne, das hängt vom Geschmack ab. Evtl. noch Pfeffer und Salz, ein kleines Glas Madeira oder ein Löffel Fruchtgelee. Wiederum Geschmacksache.
Dazu gibt es Salzkartoffeln oder Kartoffelklösse und glasierte Karotten. Dafür braucht man pro Person 2 Karotten (für Vielesser entsprechend mehr), die geschält, der Länge nach geviertelt und in ca. 3 cm lange Stücke geschnitten werden. Diese werden mit wenig Hühnerbrühe in einer großen Pfanne ohne Deckel weichgekocht. Ein Stück Butter dazu, salzen, mit Zucker bestreuen und bei großer Hitze die Brühe verkochen lassen, bis die Karottenstücke glänzen. Diese Beilage paßt auch wunderbar zum Huhn au vinaigre oder zum Kaninchen in Senfsauce.

Das Gericht wurde im Buch "Nicht nur Kraut und Rüben" von Wolfram Siebeck erwähnt und ist nach Auskunft von Renate Kampmann ohne weiteres nachkochbar. Guten Appetit.

Renate Kampmann
Geboren am 3.3.1953 in Dortmund. Bevor Renate Kampmann als freie Autorin arbeitete (seit 1995) war sie Fremdsprachenkorrespondentin, Dramaturgie-Assistentin bei Peter Zadek in Bochum, Assistentin des Schauspieldirektors in Kiel und Produktionssekretärin beim NDR in Hamburg. Renate Kampmann absolvierte ein Studium der Germanistik und Geschichte, arbeitete danach unter anderem als Dramaturgin bei NDR-International, Redakteurin beim NDR-Hörspiel und Producerin bei der Studio Hamburg Produktion für Film und Fernsehen.

Die Autorin entwickelte die RTL-Serie "Doppelter Einsatz". Neben zahlreichen Drehbüchern zu dieser Serie zeichnet Renate Kampmann auch verantwortlich für Drehbücher zu Serien und Film-Reihen wie "SOKO 5113", "Großstadtrevier", "Ein starkes Team", "Bella Block" und einigen Donna Leon-Verfilmungen.

2001 debütierte Renate Kampmann mit dem Krimi "Die Macht der Bilder".
Tempe Brennan von Kathy Reichs ermittelt als forensische Anthropologin in Kanada und den USA, Patricia Cornwell's Kay Scarpetta ist die oberste Gerichtsmedizinerin des Staates Virginia und die Pathologin Maura Isles oder die Ärztin Catherine Cordell klären zusammen mit Detective Inspector Jane Rizzoli die Fälle, die sich Tess Gerritsen ausdenkt. Seit 2001 hat auch Deutschland eine Ermittlerin mit Medizinstudium: Renate Kampmanns Serienfigur Leonie Simon, die sich als leitende Oberärztin des Instituts für Rechtsmedizin in Hamburg stets erfolgreich in die Arbeit der Ermittlungsbehörden von Staatsanwaltschaft und Polizei einmischt.




Homepage:

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Die Krimis:

2001, Die Macht der Bilder. Haffmans Verlag
2003, Die Macht der Bilder. rororo 23413
2004, Die Macht der Bilder, rororo 23721
2004, Im Schattenreich. Kindler Verlag
2005, Im Schattenreich. rororo 23983
2005, Die Macht der Bilder (m. Strandtasche), rororo 24057
2005, Fremdkörper. Kindler Verlag



Die Krimikurzgeschichten:

2003, Verlierertyp. In: Albers, V.: Tod am Kai, rororo 23425

Stand: Oktober 2005

© Gisela Lehmer-Kerkloh & Thomas Przybilka

Alle Titel und natürlich jedes andere lieferbare Buch können und sollten Sie bei Missing Link in Bonn bestellen, einer Buchhandlung, die sich auf Sekundärliteratur zum Krimi, auf Kriminalliteratur und auch auf die Beschaffung ausländischer Literatur spezialisiert hat.
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Die Befragenden:

Gisela Lehmer-Kerkloh rezensiert Kriminalliteratur. Sie ist Mitglied bei den Sisters in Crime, bei der GVM (Genootschap van Vlaamse Misdaadauteurs), sowie Amiga im Syndikat.
Bei den Alligatorpapieren veröffentlicht sie regelmäßig ihren "Krimi-Kurier" Letzte Buchveröffentlichung:
Siggi Baumeister oder: Eine Verfolgung quer durch die Eifel. Die Eifelkrimis des Jacques Berndorf.
84 S., 2001; EUR 10,50
NordPark Verlag

Thomas Przybilka verdient seinen Lebensunterhalt als Buchhändler. Er ist langjähriges Mitglied der "Autorengruppe Deutschsprachige Kriminalliteratur Das Syndikat". 1989 baute er das international bekannte "Bonner Krimi Archiv (Sekundärliteratur)" [BOKAS] auf. Bei den Alligatorpapieren veröffentlicht er regelmäßig seine "Krimi-Tipps zur Sekundärliteratur zum Krimi." Zahlreiche Publikationen zur Kriminalliteratur in Fachanthologien und -magazinen im In- und Ausland. Kriminalgeschichten in Deutschland, Bulgarien und Spanien. Letzte Buchveröffentlichung:
Siggi Baumeister oder: Eine Verfolgung quer durch die Eifel. Die Eifelkrimis des Jacques Berndorf.
84 S., 2001; EUR 10,50
NordPark Verlag


Die Befragungen von Gisela Lehmer-Kerkloh und Thomas Przybilka
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