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Eva Lirot


Frage: Erinnern Sie sich noch, wann Sie Ihren ersten Kriminalroman gelesen haben (bitte nennen Sie auch Autor und Titel)?

Eva Lirot: Wenn es erlaubt ist, "Das Phantom der Oper" von Gaston Leroux zum Kriminalroman zu erklären, dann war wohl das irgendwann in der Achtzigern.

Frage: Was interessiert Sie an Kriminalliteratur?

Eva Lirot: Die Funktion als "Seismograph der Gesellschaft" (Ulrich Baron) - was bedeutet, dass ich die beliebte These von der Unmöglichkeit einer Darstellung der heute angeblich so komplex gewordenen Realität nicht verfechte. Alles bloß Ausreden, denn: "Was nicht klar gesagt ist, ist auch nicht klar gedacht" (Voltaire).

Frage: Wie sind Sie zum Krimi gekommen?

Eva Lirot: Durch die frühkindliche Prägung mit dem Edgar-Wallace-TV, nehme ich mal an. Und später kam dann auch noch das Edgar Allan Poe-Faible eines Deutschlehrers dazu.

Frage: Warum schreiben Sie Krimis?

Eva Lirot: Um aktuelle Fragen und Themen spannend darzustellen.

Frage: Seit wann schreiben Sie Kriminalromane?

Eva Lirot: Hm - von der Idee zum Buch ist es bekanntlich ein langer Weg ...
Sagen wir's also mal so: Das (sehr!) grobe Handlungsgerüst meines Erstlings hatte ich schon vor etwa fünf Jahren hochgezogen.

Frage: Ihre erste Krimi-Veröffentlichung ?

Eva Lirot: Das war die Kurzgeschichte "Der unheimliche Fremde". Sie wurde 2003 im Rahmen eines Erzählwettbewerbs des Hörverlags (München) für den regionalen Endausscheid ausgewählt.

Frage: Als deutsche Autorin: Was bedeutet deutsche Krimininalliteratur für Sie?

Eva Lirot: Nicht mehr und nicht weniger als die ausländische - hinter der sie sich aber weiß Gott nicht zu verstecken braucht.

Frage: Gibt es einen Krimiautor / eine Krimiautorin, der oder die Sie beeinflusst hat?

Eva Lirot: Hoffentlich nicht! Ohne das Genre gleich neu erfinden zu wollen, habe ich schon den Anspruch, etwas ganz Eigenes zu machen.

Frage: Bilden Sie in Ihren Kriminalromanen die Gegenwart ab?

Eva Lirot: Unbedingt, ja.

Frage: Wo würden Sie Ihr "Setting" wählen?

Eva Lirot: Bis auf weiteres im Wissenschaftsmillieu - bei der Konfrontation mit der unvorhersehbaren Praxis.

Frage: Halten Sie das Schreiben von Kriminalromanen für schwieriger oder weniger schwieriger als das Schreiben in einer anderen Literaturgattung?

Eva Lirot: Keine Ahnung. Da können Sie mich auch fragen, ob ich das Fahren eines BMWs für schwieriger halte als das Fahren eines Chryslers. In letzterem habe ich noch nie gesessen, es sind aber beides eindeutig Autos. Insofern ist es wohl weniger eine Frage des Schwierigkeitsgrades als eine der Präferenz.

Frage: Welches (Sub-)Genre der Kriminalliteratur bevorzugen Sie?

Eva Lirot: Keines. Erlaubt ist, was gefällt.

Frage: Findet Ihrer Meinung nach der Kriminalroman im Feuilleton gebührende Beachtung?

Eva Lirot: Nein. Dort dominiert nach wie vor die NS- und DDR-Betroffenheitsprosa.

Frage: Arbeiten Sie zur Zeit an einem neuen Kriminalrorman / an einer neuen Krimistory?

Eva Lirot: Ja, und zwar am Nachfolger des "Rendezvous mit dem kleinen Tod" - bei dem es aber freilich um eine völlig andere Thematik gehen wird.

Frage: Halten Sie das Genre Kriminalliteratur für eine wichtige Literaturgattung? - Wenn ja, warum?

Eva Lirot: Ja, weil: Nirgendwo kann man aktuelle Fragen und Themen spannender verhandeln als hier.

Frage: Sex im Krimi?

Eva Lirot: Na, da fragen Sie ja die Richtige! Das Thema von "Rendezvous mit dem kleinen Tod" ist Sex als ein Wirtschaftsgut der Pharmaindustrie.

Frage: Gibt es einen "Frauenkrimi"?

Eva Lirot: Ja. Und warum auch nicht? Es gibt ja auch Männerkrimis, Katzenkrimis, den Krimi rund ums Schaf ...

Frage: Für wen schreiben Sie?

Eva Lirot: Für alle, die gern auch mal nachdenken.

Frage: Plotentwicklung - Ihr erster Gedanke?

Eva Lirot: Gilt immer der Frage: Wie stelle ich mein Thema möglichst für jedermann erlebbar dar?

Frage: Machen Sie sich Notizen und wo kommen Ihre Ideen her?

Eva Lirot: Zu 1: Jede Menge. Und bevorzugt auf so kleinen gelben Klebezetteln. Der Vorteil dieser Methode: Schnelle Ablage. Nachteil: Nur Idioten halten Ordnung, ein Genie ...
Zu 2: Ich lese was, ich höre was und - zack! - schon ist sie da, die Idee. Ob die dann aber auch tatsächlich zur Anwendung kommt, ist eine ganz andere Frage.

Frage: Wo schreiben Sie?

Eva Lirot: Am Schreibtisch. Inmitten meines stetig wachsenden Recherchematerials.

Frage: Hindert der PC Sie am Schreiben?

Eva Lirot: Was? Wie? Kann man auch ohne schreiben?

Frage: Welchen Kriminalroman hätten Sie selber gerne geschrieben?

Eva Lirot: "Sakrileg". Und zwar mit allen von der Kritik konstatierten, vermeintlichen Schwächen. Denn die Metaaussage des Romans kam exakt rüber - und darauf kommt es in der Literatur an.

Frage: Als deutscher Autor: Haben Sie Kontakt zu ausländischen Kollegen/Kolleginnen?

Eva Lirot: In unserem Netzwerk der "Mörderischen Schwestern" gibt's auch Schwestern aus der Schweiz und Österreich, ja.

Frage: Ihre Lieblingstatwaffe?

Eva Lirot: Tja - hm. Vordergründig interessiert mich nicht das Wie, sondern das Warum einer Tat. Und wenn's schnell gehen soll - übrigens ein konstitutives Element meines Schreibstils - eignet sich oft eben doch die gute alte Handfeuerwaffe am besten.

Frage: Mord - muss das sein?

Eva Lirot: Bei mir bisher schon. Als Element der Zuspitzung eines Falles. Denn ein Zurück gibt es dann bekanntlich nicht mehr ...

Frage: Wer ist überschätzt?

Eva Lirot: Unsere derzeitige Regierungskoalition. Und zwar drastisch!

Frage: Wer ist unterschätzt?

Eva Lirot: Das Genre Kriminalroman als Ganzes.

Frage: Ihr Lieblingsbuch als Kind?

Eva Lirot: Otfried Preußler: "Das kleine Gespenst".

Frage: Ihr Lieblingsbuch heute?

Eva Lirot: Hans Erich Nossack: "Spätestens im November".

Frage: Ihre Lieblings-Krimiautorin / Ihr Lieblings-Krimiautor?

Eva Lirot: Muss ich passen, weil: variabel.

Frage: Ihr Lieblingsfilm?

Eva Lirot: Tennessee Williams: "Die Katze auf dem heißen Blechdach". Alles, was man über Familie wissen muss.

Frage: Ihr Lieblingsgetränk?

Eva Lirot: Milchkaffee, serviert in einem Kaffeepott für Erwachsene.

Frage: Welche Bedeutung hat für Sie Essen und Trinken?

Eva Lirot: Da ich lieber ehrlich bin als politisch korrekt: Genuss geht vor Vitamin.

Frage: Kochen Sie?

Eva Lirot: Logisch, ich esse ja auch.

Frage: Ihr Lieblingsgericht:
[Rezept am Schluß des Fragebogens]

Eva Lirot: Mein teuflisch guter Nudel-Gratin.

Frage: Gehen Sie essen, und wenn ja, wo?

Eva Lirot: Zum Lieblingsitaliener, in die Kleine Kneipe - und in jede halbwegs einladend aussehende Sushi-Bar.

Frage: Was ist Ihr Lieblingskleidungsstück?

Eva Lirot: Eine extrem ausgebleichte Blue-Jeans ohne Stretchanteil.

Frage: Fußball - ist das ein Thema für Sie?

Eva Lirot: Selbstverständlich. Und zwar alle vier Jahre zur Weltmeisterschaft solange die deutsche Mannschaft spielt.

Frage: Ihre Lieblingsstadt in Deutschland?

Eva Lirot: Auf Urlaub? München.

Frage: Ihr Lieblingsland?

Eva Lirot: Unter vollständigem Ignorieren des Bush-Phänomens kann ich da noch immer die USA benennen.

Frage. Was lieben Sie?

Eva Lirot: Geist. Ist geil!

Frage. Was verabscheuen Sie?

Eva Lirot: Dogmatik. Ist blöd!

Frage: Beste Schulnote - worin?

Eva Lirot: Im Fach Deutsch, Rubrik Aufsatz schreiben. Da habe ich mal eine sehr gute Note für einen frei formulierten Text bekommen - obwohl ich das Thema total verfehlt hatte.
Frage: Schlechteste Schulnote - worin & warum?

Eva Lirot: Physik. Der Lehrer war mir seinerzeit nicht sonderlich sympathisch, weshalb ich es vorzog, seinem Unterricht nicht allzu oft beizuwohnen ...

Frage: Ihr Traumberuf?

Eva Lirot: Freie Schriftstellerin.

Frage: Haben Sie eine Ahnung, warum Sie diesen Fragebogen beantwortet haben?

Eva Lirot: ... Ertappt! Mist! Wie sagte es Al Pacino doch so schön in seiner Rolle als Teufel im Film "Devils Advocat": "Eitelkeit ist meine liebste Sünde."

Die Befragung erfolgte ohne Zeugen im Dezember 2007.

Das Rezept

"Eva Lirots teuflisch guter Nudel-Gratin" für 4 Personen. Mit dem Gericht können Sie empfindliche Gaumenbesitzer zumindest zeitweilig sehr schädigen, und es ist nach Auskunft von Eva Lirot ohne weiteres nachkochbar. Guten Appetit.
500 Gramm Bandnudeln bissfest kochen - 500 Gramm Hackfleisch mit Zwiebeln anbraten und großzügig mit schwarzem Pfeffer, Chili und etwas Salz würzen - schwarze Oliven in Scheiben schneiden und untermischen - Tomato al gusto "Arrabbiata" reinrühren und ggf. mit Chili und schwarzem Pfeffer nachwürzen - die Hälfte davon in eine Auflaufform geben - ein Drittel der Nudeln darüber - 2 Mozzarellas in Scheiben schneiden und die Nudeln damit belegen - 100 Gramm Kräuterkäse mit einem Eigelb verrühren, grüne Pfefferkörner hinzufügen und diese Sauce dann über die Nudel/Mozarella-Schicht geben - das nächstes Drittel Nudeln darauf setzen - die andere Hälfte Hackfleisch-Sauce darüber geben - die restlichen Nudeln hinzufügen, darüber etwas Asia Sauce süss/scharf (Heinz) fließen lassen - zum Schluss 6-8 Scheiben Chedda-Schmelzkäsescheiben drauflegen und ordentlich mit Pizzagewürz bestreuen - bei 200 Grad 20-30 Minuten backen - fertig!

Eva Lirot
Eva Lirot ist das Pseudonym der Autorin Bea Kietzmann - ein Anagram auf ihr Vorbild in Sachen Rückgrat, Menschlichkeit und Realismus: Voltaire.
Bea Kietzmann wurde 1966 in Diez geboren. Während des Studiums (Literatur- und Soziale Verhaltenswissenschaft) begann sie mit dem Schreiben - und ab 2003 dann auch für die Öffentlichkeit. In diesem Jahr erschien ihr Krimidebüt, eine Krimikurzgeschichte "Der unheimliche Fremde". 2007 gewinnt sie den Ultrakurzkrimi-Wettbewerb der "Mörderischen Schwestern" mit ihrem Kurzkrimi "Totentanz". Ebenfalls 2007 erscheint ihr erster Kriminalroman "Rendezvous mit den kleinen Tod". Ein weiterer Kriminalroman ist bereits in Arbeit.


Homepage:
www.eva-lirot.de

Die Krimis
2007, Rendezvous mit den kleinen Tod, Prolibris Verlag

Die Krimikurzgeschichten
2007, Totentanz. In: "Mordio", Ausgabe 1/2007, (Zeitschrift der Mörderische Schwestern)

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Alle Titel und natürlich jedes andere lieferbare Buch können und sollten Sie bei Missing Link in Bonn bestellen, einer Buchhandlung, die sich auf Sekundärliteratur zum Krimi, auf Kriminalliteratur und auch auf die Beschaffung ausländischer Literatur spezialisiert hat.
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Thomas Przybilka
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Die Befragenden:

Gisela Lehmer-Kerkloh rezensiert Kriminalliteratur. Sie ist Mitglied bei den Sisters in Crime, bei der GVM (Genootschap van Vlaamse Misdaadauteurs), sowie Amiga im Syndikat.
Bei den Alligatorpapieren veröffentlicht sie regelmäßig ihren "Krimi-Kurier" Letzte Buchveröffentlichung:
Siggi Baumeister oder: Eine Verfolgung quer durch die Eifel. Die Eifelkrimis des Jacques Berndorf.
84 S., 2001; EUR 10,50
NordPark Verlag

Thomas Przybilka verdient seinen Lebensunterhalt als Buchhändler. Er ist langjähriges Mitglied der "Autorengruppe Deutschsprachige Kriminalliteratur Das Syndikat". 1989 baute er das international bekannte "Bonner Krimi Archiv (Sekundärliteratur)" [BOKAS] auf. Bei den Alligatorpapieren veröffentlicht er regelmäßig seine "Krimi-Tipps zur Sekundärliteratur zum Krimi." Zahlreiche Publikationen zur Kriminalliteratur in Fachanthologien und -magazinen im In- und Ausland. Kriminalgeschichten in Deutschland, Bulgarien und Spanien. Letzte Buchveröffentlichung:
Siggi Baumeister oder: Eine Verfolgung quer durch die Eifel. Die Eifelkrimis des Jacques Berndorf.
84 S., 2001; EUR 10,50
NordPark Verlag



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